Warum kann der Elektro-Auto-Gipfel der Herausforderung nicht gerecht werden?
Am 03.05.2010 findet in Berlin der Elektro-Auto-Gipfel statt. Vertreter aus Politik und (Automobil)wirtschaft werden über die Umsetzung des 'Nationalen Entwicklungsplans Mobilität' diskutieren. Demnach soll Deutschland zum 'Leitmarkt für Elektromobilität' werden und bis 2020 sollen 1 Million Elektroautos auf unseren Strassen rollen, derzeit sind es noch 1.600. Über diese Initiative ist bereits viel geschrieben worden: Darüber, dass die Reduzierung des CO2-Ausstoßes Priorität haben muss und Elektrofahrzeuge eben keine Null-Emissionsfahrzeuge sind. Darüber, dass der Strom aus erneuerbaren Energien kommen muss. Darüber, dass die deutsche Automobilindustrie jahrelang geschlafen hat und nicht nur darum Staatshilfen für sie unangebracht sind. Darüber, dass viel zu lange über die Besetzung der Spitzenposten in dem Lenkungsgremium und in den einzelnen Arbeitsgruppen gestritten wurde. Darum geht es mir heute nicht. Elektro-Auto-Gipfel impliziert, dass das Auto, ob gekauft oder geleast, als Garant für Mobilität gesetzt ist. Es wird also lediglich diskutiert, ob und wie man am Besten den Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor ersetzt und welche Vorraussetzungen dafür geschaffen werden müssen. Dieser Ansatz ist meines Erachtens falsch. Wie wir nicht erst seit Peter Drucker wissen, kaufen Kunden keine Erzeugnisse, sie kaufen das, was das Erzeugnis für sie leistet: Menschen fahren zur Arbeit, sie fahren zum Einkaufen, sie fahren in den Urlaub, sie fahren spazieren und stehen dabei immer häufiger im Stau. Steht ein Elektroauto etwa nicht im Stau? In den nächsten Jahren wird sich der Arbeitsmarkt gewaltig verändern. Unterstützt durch die Kommunikationstechnologie, werden Menschen immer häufiger von zu Hause arbeiten. Laut Bitkom arbeitet bereits heute jeder 10te Erwerbstätige in Deutschland ganz oder zeitweise von zu Hause aus, das Home-Office liegt eindeutig im Trend. Wer im Home-Office arbeitet, muss nicht mehr zur Arbeit fahren. Online-Versandhändler wie Amazon haben es vorgemacht. Die Bestellung im Internet mit Lieferung nach Hause ist auf dem Vormarsch. In den USA hat jeder 4te Haushalt bereits Online Lebensmittel bestellt, der Umsatz in 2009 betrug immerhin 10 Milliarden US Dollar. Wer sich seine Einkäufe nach Hause liefern lässt, muss nicht mehr zum Einkaufen fahren. Selbstverständlich wollen Menschen mobil sein, aber dazu müssen sie in der heutigen Zeit kein Auto mehr kaufen:Sie können zu Fuß gehen, sie können mit dem Fahrrad fahren, sie können öffentliche Verkehrsmittel benutzen, sie können ein Taxi nehmen, sie können Autos bei Bedarf stunden- oder tageweise mieten, sie können sich ein Auto mit anderen Menschen teilen, sie können für längere Strecken Bahn und Flugzeug benutzen. Vor allen Dingen können sie aber immer mehr im Internet erledigen – das Internet ist inzwischen integraler Bestandteil der persönlichen Mobilität. Hinzu kommt eine, nicht unwesentliche, soziale Komponente: Das Auto verliert zunehmend seine Rolle als Statussymbol, mit entsprechenden Konsequenzen gerade für die deutschen Premiumhersteller. Von Joseph Schumpeter wissen wir, dass eine ökonomische Entwicklung auf durch Innovationen ausgelöste 'schöpferische Zerstörung' beruht. Für Schumpeter gilt das für Produkte als auch für neue Geschäftsmodelle. Statt also das Produkt 'Auto' als gesetzt zu betrachten, wären alle Protagonisten gut beraten, die Herausforderung gesamthaft und interdisziplinär zu betrachten. Ziel muss sein, das Leben der Menschen nachhaltig zu verbessern und das geht nicht ohne die 'schöpferische Zerstörung' von alten, überholten Produkten und Geschäftsmodellen.
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