Archiv für Juni 2010

Warum ist Steve Jobs ein Normanne?

Dienstag, 8. Juni 2010

Hier folgt jetzt keine weitere technische Produktbewertung, denn das können andere besser. Mir geht es vielmehr um die Art und Weise, wie Steve Jobs 'seine' Marke inszeniert.

Aber was hat das mit Normannen bzw. der Normandie zu tun? Es geht weder um den Mont Saint-Michel, noch um die Landungsküste, an der die Allierten am D-day landeten. Es geht auch nicht darum, dass die Normannen als Piraten in die Geschichte eingegangen sind. Und das, obwohl Steve Jobs wiederholt gesagt hat, dass es besser ist, ein Pirat zu sein, als zur Marine zu gehen.

Es geht vielmehr um das wohl berühmteste Getränk der Normandie, den Calvados – ein bernsteinfarbiger Branntwein hergestellt aus Äpfeln (in der Regel eine Mischung von 40 % süssen, 40 % bitteren und 20 % saueren Äpfeln). Bekannt geworden ist der Calvados unter Anderem als sogenanntes 'trou normand', als normannisches Loch.

Frankophile werden wissen, dass das 'trou normand' bei mehrgängigen qualitativ hochwertigen Menüs zwischen zwei Gängen serviert wird. Dadurch soll die Verdauung gefördert und der Appetit wieder angeregt werden. Es soll wieder ein 'Loch' im Magen schaffen, daher der Name. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass das durchaus funktioniert und schmecken tut es auch!

Und das ist die Strategie von Steve Jobs: großartige Produkte perfekt inszeniert regen immer wieder den Appetit auf mehr an: Mein erstes Apple-Produkt war ein iMac G5, dann kamen diverse iPods, ein MacBook, ein iPhone, demnächst ein iPad und wer weiss, was danach kommen wird – ich jedenfalls bin, auch dank 'trou normand', noch lange nicht satt.

Und darum ist Steve Jobs ein Normanne :-)

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Warum hat BP Recht?

Sonntag, 6. Juni 2010

Wir erinnern uns: In 2001 benannte sich  'British Petroleum Company' (ursprünglich hervorgegangen aus der Deutschen Petroleum-Aktiengesellschaft) in die BP plc um. Gleichzeitig führte sie den Slogan 'Beyond Petroleum' ein – quasi ein neues Markenversprechen. 'Beyond Petroleum' bedeutet soviel wie 'über Erdöl hinaus' oder auch 'jenseits von Erdöl'.

Spätestens seit dem Öldesaster im Golf von Mexiko wissen wir, wie wichtig und richtig dieser Slogan ist. Er gilt aber nicht nur für BP, er gilt für uns alle.

Das Erdöl ist seit den 1950er Jahren aufgrund seiner hohen Energiedichte, der hohen Vorkommen und der Tatsache, dass es leicht zu transportieren ist, der wichtigste Rohstoff und die wichtigste Ressource der modernen Zivilisation. Erdöl ist de facto in alle Lebensbereiche gesickert. Wir finden es als Energieträger im Strassen- und Luftverkehr sowie der Schifffahrt, als Heizenergie, chemisch weiterverarbeitet in Produkten wie Düngemitteln, Schmierstoffen, Kunststoffen, Farben, Kosmetika, Lebensmittelzusatzstoffen, Medikamenten usw. Wir sind abhängig!

Weltweit lag der tägliche Verbrauch in 2008 bei 87 Millionen Barrel, das sind 13.833.000.000 Liter, Tendenz steigend.

Aber die Lage ändert sich: Zum Einen sind die Erdölreserven nicht unerschöpflich – Experten gehen davon aus, dass sie den Weltverbrauch noch 50 Jahre decken können -  zum Anderen wird die Förderung zunehmend schwieriger und risikoreicher. Ölkatastrophen wie im Golf von Mexiko sind die Folge. Das aus dem 'schwarzen Gold' schnell ein 'schwarzes Gift werden kann, zeigen die Folgen der Katastrophe vor der bretonischen Küste in 1978 (Amoco Cadiz) und in Alaska in 1989 (Exxon Valdez).

Darum hat BP Recht. Es ist an der Zeit, 'über Erdöl hinaus' zu denken und zu agieren – wir alle müssen das tun. Das hat sehr viel mit Nachfrage und Angebot und damit mit unserem Konsumverhalten zu tun. Wissen wir überhaupt, wieviele Liter Erdöl wir täglich direkt oder indirekt verbrauchen?

Gleichzeitig müssen wir Druck machen und diesen aufrecht erhalten: Druck auf die Unternehmen, Druck auf die Politik, Druck auf die Medien und selbstverständlich auch Druck auf uns selbst. Das Thema darf nicht von der öffentlichen Agenda gestrichen werden.

Die Menschheit hat immer wieder bewiesen, dass sie zu herausragenden Innovationen fähig ist. Warum sollte das hier anders sein?

Packen wir es also an. Nicht nur die Pelikane in Louisiana werden es uns danken.

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